Fehler bei der Übernahme meines Hundes

...Fehler bei der Übernahme meines Hundes

online veröffentlicht: 25.05.2016 Seite an Seite - Leben und Lernen mit Hund, Hundeschule in Wien, (c) Lara-Maria Nestyak; Autorin: Sabrina Eiter

 

Lara fragt nach ... welche Entscheidungen bei der Adoption deines Hundes empfindest du aus heutiger Sicht als Fehler? Was würdest du anders machen?

 

 

Sabrina erzählt...

 

Feivel ist mein erster Hund und vor knapp 2 Jahren bei uns zu Hause eingezogen. Er ist ein ca. 3-jähriger kastrierter Am Staff Rüde aus dem Tierschutz.

 

 

Ich würde mich selbst als sehr engagierte Ersthundehalterin bezeichnen: Ich habe mir Bücher gekauft und gelesen, mich im Internet informiert und auch Bekannte gaben mir Tipps. Da Feivel einige Probleme mit seiner Umwelt hatte, habe ich mich immer intensiver mit sämtlichen Themen um den Hund auseinandergesetzt - anfangs noch viel über Recherche in verschiedenen Internetforen.

Aus heutiger Sicht, würde ich vieles rund um die Adoption eines Hundes anders machen, hier meine Top 5:

 

Beratung mit einem qualifizierten Hundetrainer VOR der Übernahme – egal ob Welpe oder Tierschutzhund

Ich würde mich sicher wieder für einen Hund aus dem Tierschutz entscheiden, allerdings nur mehr mit Unterstützung eines gut ausgebildeten Hundetrainers. Hätte ich das vor Feivels Einzug gemacht, wäre ich auf das, was mit der Übernahme auf mich zugekommen ist, deutlich besser vorbereitet gewesen - und viele Dinge hätten sich gar nicht erst manifestiert oder entwickelt. Ich liebe Feivel über alles, aber ich muss ehrlich sagen, dass er, hätte ich bestimmte Dinge gewusst, sicher nicht meine erste Wahl gewesen wäre: Er hatte Probleme mit vielen Umweltreizen und ist in seiner Erregung und seinen 25kg regelmäßig voll in die Leine geballter. Das ist für mich (50kg) körperlich wirklich anstrengend, ich hatte mehrmals Verbrennungen von der Leine, offene Hautstelllen, Abschürfungen, blaue Flecken usw. Die zweite Seite ist die psychische, teils wird man angefeindet, wenn man mit einem Hund unterwegs ist, der nicht immer so gesellschaftsfähig ist, wie man sich das wünscht und man muss wirklich ständig aufmerksam sein. Kurz mal telefonieren, ein SMS tippen, den schönen Sonnenuntergang beobachten ist gemeinsam mit Feivel einfach nicht drin, weil immer plötzlich etwas auftauchen kann.

Wie gesagt, hätte ich mich VOR Feivels Aufnahme beraten lassen, ich bin sicher, sehr vieles wäre ganz anders verlaufen - damals hat das für mich nach unnötig viel Geld geklungen, im Endeffekt hätte ich mir viel Geld und Nerven gespart.

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Angst nicht ignorieren

Ich würde nie wieder die Angst meines Hundes ignorieren. Damals hatte ich die Hoffnung, dass sich das schon wieder gibt und er merkt, dass seine Angst vor bestimmten Dingen ja eigentlich unbegründet ist. Heute weiß ich, dass es besser ist seinem Hund in der Art beizustehen, in der er es braucht. Das Ignorieren von Angst ist nicht sehr sozial und führt meist dazu, dass die Hunde noch mehr Angst bekommen.

Feivel hatte z.B. Angst, wenn Fremde auf ihn zugegangen sind, er hat dann zu knurren begonnen. Grundsätzlich dachte ich, er wird schon merken, dass die es ja nett meinen und keiner ihm Böses will. Zusätzlich habe ich versucht ihm mit "Nein" das Knurren zu verbieten und die Menschen wurden mit Leckerli ausgestattet - alles in allem keine gute Idee und zu schlimmsten Zeiten hat er dann schon auf gut 100m Entfernung auf fremde Menschen aggressiv reagiert.

Auch bei Gewittern meinte ich, dass er schon merken wird, dass ja eigentlich nichts passiert - er ist doch im sicheren Haus. Frei nach sämtlichen Internet-Tipps habe ich ihn dann ignoriert, in der Angst seine Angst durch Zuwendung zu bestätigen. Auch das war leider absolut der falsche Weg, Feivel hat immer mehr Angst bekommen, für ihn ist ja etwas passiert und zusätzlich habe ich mich ihm gegenüber eigenartig und asozial (ja, muss man leider sagen) verhalten.

 

 

Mehr Vorsicht bei Tipps aus dem Internet

Vor Feivels Einzug und in den ersten Monaten danach habe ich viel in verschiedenen Foren gelesen und zu unseren Problemen auch Fragen gestellt. Damit habe ich, wie beschrieben, leider viele schlechte Erfahrungen gemacht. Eigentlich ist das auch nicht weiter verwunderlich, die meisten Leute sind keine gut ausgebildeten Trainer, „aber die Dinge wurden immer schon so gemacht“. Viele Tipps haben mich wirklich erschreckt, beispielsweise richtig stark an der Leine rucken oder Schlüssel nach dem Hund werfen. Bei anderen Dingen hatte ich "einfach" ein mulmiges Gefühl, auch wenn ich nicht hätte erklären können weshalb.

 

 

Meinem Bauchgefühl vertrauen

Ich würde heute definitiv mehr auf mein Bauchgefühl hören - wenn ich eines gelernt habe, dann das.

Manche Tipps habe ich trotz meines mulmigen Gefühls im Bauch umgesetzt, die anderen hatten ja offensichtlich so gute Erfahrungen damit gemacht, meist wirkten die Erklärungen dazu auch richtig gut und schlüssig und ich war teils einfach nur mehr verzweifelt. Einmal habe ich Feivel z.B. richtig angeschrieen mit einem Erziehungsziel dahinter, er sollte merken, dass ich das nicht will. Fazit war ein damals echter Bruch in seinem Vertrauen mir gegenüber und das ist es wirklich nicht wert. Er hat übrigens auch nicht nachhaltig verstanden was ich damit bezwecken wollte, also alles in allem ein absoluter Reinfall.

 

 

Dem Trainer glauben ist gut, nachfragen schadet aber auch nicht

Heute hinterfrage ich mehr: Welche Qualifikation der Hundetrainer wirklich hat - welche Ausbildung(en) wurden absolviert, wie lange haben diese gedauert und was ist danach passiert? Und warum genau dieser Trainingplan für Feivel und mich? Was sind die Vorteile, was aber eventuelle Nachteile? Welche Auswirkungen hat dieses Training sonst noch?

Von einem wirklich guten Trainer erwarte ich mir präzise Antworten, wirkliche Begründungen und, dass er oder sie auch tiefergehende Fragen zu seinem vorgeschlagenem Training beantworten kann.

 

 

Über Sabrina...

Die Autorin ist in der Ausbildung zur Trainerin für Menschen mit Hund bei Cum Cane. Sie verbringt ihre Freizeit mit Feivel und ihrer Ausbildung, um ihm gerecht zu werden.

 

Ihr Hund Feivel hat sogar eine eigene Facebook Seite! Wer mehr über Feivels und Sabrinas gemeinsamen Weg wissen möchte, kann ihnen gerne folgen :)

 

 

 

Weiterführende Informationen:

 

 

 

Noch Fragen? Dann schreibe mir ein E-Mail oder auf Facebook - gerne direkt auf die Hundeschulen-Seite, damit alle von den Infos profitieren. Ich freue mich!

 

 

 

 

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