Angeleint! Worauf du bei der Auswahl der Leinen achten solltest
Hundeleine
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Angeleint! Worauf du bei der Auswahl der Leinen achten solltest

online veröffentlicht: 22.06.2016 Seite an Seite - Leben und Lernen mit Hund, Hundeschule in Wien, (c) Lara-Maria Nestyak

 

Du willst, dass dein Hund auch angeleint möglichst viel Freude hat, die Sicherheit aber trotzdem gegeben ist? Hier findest du Tipps für die Auswahl eurer Leinen!

Und nicht vergessen: Leinen sind Gebrauchsgegenstände und gehören daher regelmäßig ausgetauscht!

 

 

Leinenlänge- abhängig vom Hund und der Situation

 

 

Je länger die Leine, desto schlechter die Kontrolle, die man dadurch über den Hund hat.

Je kürzer die Leine, desto stärker wird ggf. das Wohlbefinden des Hundes eingeschränkt.

Die passende Leinenlänge ist abhängig

  • vom Hund: Ein gut trainierter und soweit problemloser Hund kann auch in dicht besiedelten Gebieten an etwas längerer Leine, bspw. 3m, geführt werden. Das kann enorm praktisch für uns Menschen sein, weil wir bspw. nicht mit in die Grünfläche müssen. Dass der Hund dabei nicht kreuz und quer über den Gehsteig Passanten umrennt, sondern z.B. entlang der Grünfläche geht, sollte hier Voraussetzung sein. Hat ein Hund aber Probleme mit seiner Umwelt und ist seine Lösungsstrategie bspw. zu beißen, ist es keine gute Idee in der Stadt mit einer 3m langen Leine unterwegs zu sein – 3m können viel sein, wenn plötzlich ein Kind/ Jogger/ Hund aus dem Hauseingang läuft oder um die Ecke biegt.
  • von der Situation: Eine 15m Leine kann großartig am Feld- oder Waldweg sein oder auch in einem Park. Ein in der Stadt an der Schleppleine kreuz und quer gehender Hund ist aber nicht nur ein Problem für Passanten, er kann sich und seine Umwelt damit auch gefährden, wenn er bspw. auf die Straße läuft. Bei gut überblickbaren Strecken kann dagegen auch einem reaktiven Hund mit einer längeren Leine deutlich mehr Spielraum gegeben werden.

 

Das Wohlbefinden und die Leinenlänge

Hunde haben das Bedürfnis ihre Umwelt zu erkunden schnüffeln ist für sie wie für uns Zeitung lesen oder den Facebook Newsfeed durch zu scrollen: Man weiß, was in der Welt so los ist! :) Daher ist für viel-an-der-Leine-Geher eine Leinenlänge bei der der Hund nur direkt neben seinem Menschen gehen kann, keine gute Wahl. Dem Hund wäre es, je nach seiner Größe, gar nicht möglich auch nur drei Schritte von uns wegzugehen und zu schnüffeln. Das führt zu zwei Problemen: 1. Wir picken direkt am Hund, das ist eher unangenehm. Stell dir einmal vor dein Partner steht immer direkt hinter dir, wenn du zu einem Schaufenster gehst – recht unangenehm, oder? 2. Müssen wir Menschen dann jedes Mal mit, wenn wir unserem Hund ein bisschen Schnüffelzeit geben wollen – ich kann euch versichern, ich würde oftmals lieber etwas mehr Abseits von den Schnupperstellen meines Rüden stehen ;)

Zur Erklärung: Wir wohnen städtisch, Soki hat daher auf unserer mehrfach täglich genutzten Gassi Runde meist nur 1,5m zur Verfügung. Ich möchte ihm dabei aber trotzdem die Möglichkeit geben ausgiebig zu schnüffeln. Dafür muss ich manchmal auch ein oder zwei Schritte in die Grünfläche entlang des Gehwegs tun, was nicht immer so appetitlich ist. Mit Mathilda ist das angenehmer, die Leinenlänge erlaubt es leicht, dass ich bequem stehen bleibe und sie hin und hergehen kann.

 

Bitte beachte auch, dass Hunde die Möglichkeit brauchen sich zu bewegen – das heißt, darf dein Hund nur selten oder nie von der Leine, ist für ausgedehnte Spaziergänge im Grünen auf Dauer auch eine 3m oder auch eine 5m Leine einfach nicht genug! Hier kannst du dich langsam an immer längere Leinen herantasten, gleich einmal 15m oder gar 25m ist für die meisten Menschen nämlich erstmals gar nicht zu bewältigen. Wenn du dir unsicher im Handling mit einer so langen Leine bist, frag am besten deine Hundetrainerin oder -trainer.

 

Zusätzlich benötigen manche Hunde, aus ganz unterschiedlichen Gründen, ein bisschen mehr Individualdistanz – das heißt selbst für ganz kurze Strecken eignet sich hier eine Leine, die es gerade erlaubt, dass der Hund direkt neben einem geht, überhaupt nicht.

 

Exkurs Kleinsthunde

Gerade den ganz Kleinen ist es häufig sehr unangenehm direkt neben den Füßen gehen zu müssen. Eigentlich ganz klar, selbst meine 37er sind riesig für meine 2,5kg Mathilda! Achte daher darauf, dass du, auch wenn die Leine nur für die 100m bis zum Freilaufgebiet sind, lang genug wählst, dass dein Zwerg sich dabei wohlfühlt! :)

 

 

Einfluss der Leinenlänge auf die Leinenführigkeit?

Immer wieder liest und hört man eine bestimmte Leinenlänge würde sich besonders gut für das Erlernen des Gehens an lockerer Leine eignen. Dem ist prinzipiell nicht so – die Leinenführigkeit ist vom Training, der Stressbelastung und allgemein der Auslastung des Hundes abhängig. Meiner Erfahrung nach überwiegt die Trainingskomponente, d.h. Hunde können auch in wirklich hoher Stress- und Erregungslage noch an durchhängender Leine gehen, als Dauerlösung ist das aber sicher nicht geeignet. Hier sollte dringend auch an anderen Schrauben gedreht werden!

 

 

Materialien

Das Leinenmaterial ist in erster Linie vom eigenen Wohlgefühl abhängig – was liegt einem besonders gut in der Hand. Vor- und Nachteile von:

  • Stoff

+ leicht

+ liegt gut in der Hand

+ gute Qualität erhältlich

- gute Qualität ist schwer erhältlich: viele Stoffleinen haben einen sehr hohen Nylonanteil, dadurch fühlen sie sich allgemein rutschiger an und rutschen natürlich auch leichter durch die Hand, wenn der Hund anzieht – Vorsicht Verbrennungsgefahr!

- saugt sich leicht mit Wasser an und sammelt Blätter und ähnliches quasi ein

  • Biothane

+ saugt sich nicht voll

+ leicht zu reinigen – für die alltägliche Reinigung reicht es die Leine mit einem Tuch abzuwischen

+ große Auswahl an Breite und Stärke

- kann bei starkem Regen, und v.a. bei ungünstigem Leinenhandling, rutschig sein

Tipp: Verfängt sich eine rundgenähte Biothane um den Fuß kann das sehr schmerzhaft enden – besser das flache Biothanematerial nehmen!

  • Fettleder

+ liegt gut in der Hand

+ große Auswahl an Breite und Stärke

+ gute Qualität erhältlich

- starke Qualitätsunterschiede --> manche Fettlederleinen fetten enorm! Frag deine Hundetrainerin oder deinen -trainer, wo du bei dir in der Nähe qualitativ hochwertiges Fettlederleinen kaufen kannst

- muss gepflegt werden, wird sonst hart und brüchig

  • Longierleinen aus dem Pferdebedarf - Geheimtipp für schwere Hunde

+ liegt gut in der Hand

+ verminderte Verbrennungsgefahr, da sie kaum durch die Hand rutscht

- saugt sich stark voll

 

Fazit: Ich bevorzuge für kurze Leinen Stoff, am liebsten von Haqihana – hohe Qualität und kein Ring zum Kürzen mittig platziert, an dem man leicht mit dem Finger hängen bleiben und sich verletzen kann. Die 3m Leinen sind auf 1,5m kürzbar, was sie für mich perfekt für die Stadt macht. Wohnt man etwas weniger dicht besiedelt ist die auf 2,5m kürzbare 5m Leine eine tolle Wahl.

Für Schleppleinen habe ich Biothane sehr gerne. Bei sehr schweren reaktiven Hunden kann hier auch eine Fettleder-Leine oder Longierleine sehr angenehm sein.

 

Der Karabiner

Hier ist besondere Vorsicht geboten: Meiner Erfahrung nach ist der Karabiner die erste Schwachstelle – das heißt bevor die Leine reißt bricht eher der Karabiner. Der Karabiner muss daher nicht nur von guter Qualität sein, sondern auch die Größe muss stimmen, um deinen Hund sicher zu halten, falls er in die Leine zieht oder gar springt.

Tipp: Frag beim Kauf nach der Bruchlast und bis wie viel Kilogramm diese Leine getestet wurde. Solltest du für deinen Hund nicht fündig werden, lohnt es sich nach einem passenden Bergsteigerkarabiner zu suchen.

 

Der Karabiner darf aber auch nicht zu schwer sein! Immerhin liegt er am Rücken auf. Gerade bei kleinen Hunden sieht man häufig deutlich zu große Karabiner – das ist nicht angenehm!

 

Bei der Wahl des Karabiners muss daher zwischen Komfort für den Hund und Sicherheit für ihn und seine Umwelt abgewogen werden.

 

 

Zusatztipp: Wann Zug an der Leine absolut OK ist

Hat ein Hund Angst und will der Situation entkommen, dann ist das für mich der absolut falsche Moment Leinenführigkeit zu trainieren. Ein Hund der in anderen Situationen gut leinenführig ist, wird das auch in diesen Situationen recht schnell umsetzen, wenn man zuerst am Angstauslöser arbeitet und es schafft, dass dieser für den Hund keiner mehr ist.

 

 

 

Noch Fragen? Dann schreibe mir ein E-Mail oder auf Facebook - gerne direkt auf die Hundeschulen-Seite, damit alle von den Infos profitieren. Ich freue mich!

 

 

 

 

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