Angst - Was stimmt wirklich?
Hund Angst

Wie das mit der Angst wirklich ist: Wenn man Angst nicht verstärken kann, warum haben manche Hunde dann mehr Angst nach Zuwendung?

online veröffentlicht: 20.04.2016 Seite an Seite - Leben und Lernen mit Hund, Hundeschule in Wien, (c) Lara-Maria Nestyak

 

Wie im Blogeintrag „Silvester mit Hund – Last Minute Tipps“ beschrieben, brauchst du keine Sorge haben: Angst kann durch tatsächliche Hilfe oder als vom Hund angenehm empfundene Aufmerksamkeit der Bezugsperson nicht verstärkt werden. Empfindet der Hund dies aber als unangenehm, dann kann er mehr Angst bekommen.

 

 

FALSCH: MAN TUT ETWAS FÜR DEN HUND IN DIESEM MOMENT ANGENEHMES UND DADURCH BEKOMMT ER MEHR ANGST

 

Eine kurze fachliche Erklärung dazu: Die (falsche!) Idee ist, dass Angst durch das Hinzufügen von etwas für den Hund Angenehmen (bspw. Zuwendung) mehr wird. Lerntheoretisch steckt die Annahme der positiven Verstärkung dahinter – ein Beispiel für positive Verstärkung: Ein Hund setzt sich hin, bekommt sofort ein Leckerchen und setzt sich in dieser Situation ab nun häufiger hin. Positive Verstärkung ist ein Quadrant der operanten Konditionierung (es gibt noch negative Verstärkung, positive Strafe und negative Strafe). Hinsetzen ist ein Verhalten, ABER: ANGST IST EINE EMOTION UND UNTERLIEGT DAHER NICHT DER OPERANTEN KONDITIONIERUNG! D.H. ANGST KANN (DURCH DAS HINZUFÜGEN VON ETWAS FÜR DEN HUND WIRKLICH ANGENEHMEN) NICHT VERSTÄRKT WERDEN. Der Begriff verstärkt ist hier im Sinn der operanten Konditionierung zu verstehen. Das ist ein „Lerngesetz“, daran ist wirklich nichts zu ändern :)

 

 

RICHTIG: MAN TUT ETWAS FÜR DEN HUND IN DIESEM MOMENT ANGENEHMES UND DIE ANGST WIRD WENIGER

Hilft deinem Hund die Zuwendung, dann biete sie ihm unbedingt an! Bei jemandem Schutz zu bekommen hilft - wichtig: Das beinhaltet, dass man den Schutz auch als solchen erlebt! Als etwas Angenehmes, das in dieser Situation Hilfe und Halt gibt.

 

 

RICHTIG: MAN MEINT ES GUT, DER HUND FÜHLT SICH ABER UNWOHL DABEI UND BEKOMMT DADURCH MEHR ANGST.

 

Noch ein ABER: ANGST KANN DURCH POSITIV GEMEINTE ZUWENDUNG MEHR WERDEN! AUSSAGEN WIE „STREICHELN IST NIE VERKEHRT“ SIND FALSCH! Ich wähle hier sehr bewusst nicht den Begriff „verstärkt“, auch wenn mir bewusst ist, dass das in der Alltagssprache gleichgesetzt wird. Fachlich ist hier aber ein Unterschied! Das ist wichtig, da sonst nicht klar ist, warum Hunde manchmal oder vielleicht sogar häufig noch mehr Angst bekommen, wenn ihre Menschen beginnen sie z.B. zu streicheln.

 

Häufig empfinden Hunde streicheln als eher unangenehm, erdulden es aber im gewöhnlichen Alltag. Angst macht sensibler. Hat ein Hund Angst, so neigen wir Menschen häufig dazu den Hund anzugreifen und meinen das sehr gut – es kann aber sein, dass dieser Hund das in dieser Situation als sehr unangenehm bis angsteinflößend empfindet! Auch wenn unsere eigentliche Absicht ist zu helfen!! Oder man spricht beruhigend mit dem Hund und beugt sich dabei leicht, kaum merkbar, über diesen. Manchen Hunden ist das immer unangenehm, hat ein Hund aber schon Angst, kann diese dadurch mehr werden. Manche Hunde liegen sehr gerne bei Ihren Menschen, berühren diese dabei eventuell auch. Man nennt dies Kontaktliegen. Kontaktliegen ist aber keine Einladung zum Streicheln! In diesem Video hat Mathilda sich kurz zuvor zu mir gelegt:

Hund Silvester

 

Sie mag streicheln nicht besonders (= unangenehm), um das sichtbar zu machen, habe ich sie in dieser Situation sogar intensiv gestreichelt – ihre Reaktion: Aufstehen und weggehen. Hätte sie Angst gehabt, meine Nähe gesucht und ich hätte das daraufhin genauso gemacht, hätte ich ihr damit nichts Gutes getan, obwohl ich es wirklich sehr lieb meine! In Mathildas Fall die richtige Reaktion wäre: Sie bei mir liegen und in Ruhe lassen. Mein Rüde hat in solchen Situationen ganz andere Bedürfnisse: „Körperkontakt ist toll, bitte so viel wie möglich!“

 

 

KEIN AUFRUF HUNDE ZU IGNORIEREN, SONDERN IHRE BEDÜRFNISSE ZU ERKENNEN UND ZU RESPEKTIEREN!

 

Mir ist sehr wichtig, dass dies nicht missverstanden wird: Das ist ausdrücklich kein Aufruf Hunde zu ignorieren, wenn sie Angst haben. Ich hoffe vielmehr dafür sensibel gemacht zu haben, dass wir in Situationen, in denen unsere lieben Vierbeiner unsere Hilfe brauchen, wirklich besondere Rücksicht auf diese nehmen – und ihnen das zukommen zu lassen, was sie wirklich brauchen.

 

 

WICHTIG: DIE KÖRPERSPRACHE DES HUNDES LESEN LERNEN

 

Es ist ganz einfach: Wer die Körpersprache seines Hundes nicht lesen kann, kann nicht erkennen, ob ihm etwas bestimmtes gerade gut tut oder nicht. Zumindest nicht früh genug. Du möchtest deinen Hund gerne besser verstehen? Hier meine Top Tipps für Hundehalter:

Für den Einstieg in das Thema ideal!

Buch zur DVD - kann diese keinesfalls ersetzen! Bewegte Bilder verbessern das Verständnis!

Inkl. vielen ergänzende Basisinformationen rund um das Thema Hund.

Fachlich sehr gut - Tipp: 1 Stunde ansehen und die Informationen erstmal sickern lassen.

 

Tipp für Einsteiger: Calming Signals DVD + Calming Signals Workbook

Für besonders Interessierte oder Hunde mit Verhaltensproblemen: Zusätzlich das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes

 

 

Noch Fragen? Dann schreibe mir ein E-Mail oder auf Facebook - gerne direkt auf die Hundeschulen-Seite, damit alle von den Infos profitieren. Ich freue mich!

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