So erkennst du Spiel bei Hunden
Spiel Hunde

So erkennst du Spiel bei Hunden

online veröffentlicht: 26.04.2016 Seite an Seite - Leben und Lernen mit Hund, Hundeschule in Wien, (c) Lara-Maria Nestyak

 

Spielende Hunde erkennen ist ein Kinderspiel - meint man! Häufig werden aber Konfliktsituationen (z.B. Mobbing) zwischen Hunden von den Haltern mit einem erfreuten Lächeln wahrgenommen "Schau, wie nett die spielen!". Warum? Ich vermute, da man an bestimmte Bilder einfach gewöhnt ist und abgespeichert hat "So sieht Spiel aus" - das muss aber nicht unbedingt richtig sein. Und wir (auch ich finde den Gedanken schön!) wünschen uns natürlich, dass wir in eine Hundeauslaufzone gehen und unser Hund dort nette Freunde zum Spielen findet.

 

Ein kurzer Gedanke dazu: Gehst du ins Kaffeehaus und scherzt mit allen fremden Menschen herum? Nein? Auch Hunde tun das kaum :)

 

Zurück zum Spielverhalten: Verhaltensweisen, die im Spiel gezeigt werden, werden auch in anderen Kontexten gezeigt, bspw. hetzen kommt auch beim Jagdverhalten vor. Das macht es schon einmal schwierig: Nur, weil zwei Hunde beispielsweise rennen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch tatsächlich spielen. Um mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit sagen zu können, ob gespielt wird oder nicht, ist es außerdem nötig das Ausdrucksverhalten von Hunden gut lesen und deuten zu können.

 

 

 

Seite an Seite Tipp:

Besonders leicht erkennbar sind SELBSTEINSCHRÄNKUNG und ROLLENTAUSCH - halte danach Ausschau!

Spiel erkennen

 

Die Wissenschaft bietet keine weithin anerkannte Definition, was unter dem Begriff Spiel zu verstehen ist. Hier findest du eine Liste an Kriterien, die in (wissenschaftlicher) Literatur immer wieder für Spiel genannt werden:

  1. findet in einer entspannten Umgebung statt = Alle haben Spaß, keiner der Spielpartner hat Angst!

Körpersprache: lockere & fließende Bewegungen inkl. Rutenbewegung, kurvige Wirbelsäule

  1. gemischte Verhaltensreaktionen + Wiederholungen von Bewegungsabläufen --> Reihenfolge folgt keiner Logik

Anspringen andeuten und dann umdrehen und weglaufen, damit der andere hinterherlaufen kann - das würde bspw. bei Jagd- oder Aggressionsverhalten so nicht vorkommen.

  1. kein direktes Ziel = Spielen um des Spielens Willen!

Es werden Verhaltensweisen gezeigt, die nicht direkt dem Überleben dienen, z.B. mit Wasser spielen.

  1. keine Endhandlung

Bsp.: Die (vollständige) Jagdverhaltenskette hat als Endhandlungen töten + fressen.

  1. Spielsignale: Zur Spielaufforderung & zur Versicherung, dass es sich noch um Spiel handelt.

Da Verhaltensweisen, die im Spiel vorkommen, auch in anderen Situationen vorkommen, müssen die Hunde klar versichern, dass es sich wirklich um Spiel und nicht um einen sich anbahnenden Konflikt handelt. Das tun sie z.B. mit der Spielverbeugung ("play bow"), dem Spielgesicht oder auch einer "Fang mich"-Körperhaltung.

  1. Selbst-Einschränkung

Ein (meist körperlich, aber auch mental) stärkerer Hund nimmt sich selbst zurück - er kann sich hinlegen, langsamer laufen oder nur ganz vorsichtig schubsen oder das Spielzeug im Maul halten.

  1. Rollentausch

Bsp. Zuerst jagt/schubst Bello Strolchi, dann Strolchi Bello...und dann wieder umgekehrt.

  1. übertriebene Bewegungen + Mimik Übertreibungen/ Spielgesicht

Ganz typisch ist hier das besonders weit aufgerissene Maul.

 

 

Augen auf - Hier wird nicht mehr gespielt

 

Eine kurze Liste, wann du dir sicher sein kannst, das das von dir beobachtete Verhalten kein Spiel mehr ist. Einer der Hunde,

  • läuft weg und versteckt sich unter Tischen, Büschen etc. bzw. versucht dies.
  • läuft zu (seinen) Menschen und sucht Schutz.
  • läuft, den anderen Hund im Schlepptau, zu Menschen und liefert den Verfolger quasi ab.
  • hat eine eingezogene Rute/ angelegte Ohren/ lange und nach hinten gezogene Maulspalten/ einen gekrümmten Rücken/ schnappt um sich.

Hier unbedingt eingreifen - möglichst ruhig die Hunde abrufen oder abholen.

 

 

Noch Fragen? Dann schreibe mir ein E-Mail oder auf Facebook - gerne direkt auf die Hundeschulen-Seite, damit alle von den Infos profitieren. Ich freue mich!

 

 

Quellenverzeichnis:

Blaschke-Berthold, Ute: Das kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes. (DVD)

Bekoff, Mark: The communication of play intention. Are play signals functional? Semiotica 15:3 (1975) 231-239

del Amo, Celina/ Theby, Viviane: Handbuch für Hundetrainer. Auflage 2. Stuttgart: Ulmer, 2014

Held, Suzanne/ Spinka, Marek: Animal play and animal welfare. Animal Behavior 81 (2011) 891-899

Horowitz, Alexandra: Attention to attention in domestic dog (Canis familiaris) dyadic play. Animal Cognition (2009) 12:107–118

McConnell, Patricia: Play Behavior in Domestic Dog. Animal Learn Internationales Hundesymposium Skript. 2012. S. 14-19

 

 

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